Warum das Sparpaket der Bundesregierung trotzdem ungerecht ist:
1. Es betrifft mich nicht.
Als Angestellter mit normalen Einkommen und keinen Anspruch auf Elterngeld geht die Sache an mir vorbei. Zumindest wenn ich davon ausgehe, dass ich es bis zur Rente einer geregelten Arbeit nachgehen kann.
Leute, welche richtig gut verdienen oder vermögend sind, können erst recht gelassen bleiben.
2. Es ist nicht zukunftsfest.
Wenn ab 2020 mehr Staatsbedienstete in den Ruhestand gehen, kommt es zu einem drastischen Anstieg der Pensionszahlungen. Ein echter Hammer für die öffentlichen Haushalte.
Wenn nicht schnellstens eine Lösung gefunden und auch durchgesetzt wird, bekommen wir ein echtes Problem.
Ein Verzicht auf eine Steigerung des Einkommens im Zusammenhang mit dem Weihnachtsgeld reicht hier absolut nicht aus.
3. Verschobene Kosten.
Die Energiewirtschaft soll auch einen Beitrag zu Sanierung des Bundeshaushalts leisten. Dies stellt aber eine reizvolle Option zur Erhöhung der Strompreise dar.
Außerdem hat es wieder diese gewisse “Gerüchle” eines Deals zu Laufzeitverlängerung von AKWs.
Ein lohnendes Geschäft für Energieversorger und eine dicke Rechnung für den Steuerzahler.
An Gorleben wir nun einige Jahrzehnte herumgeforscht, ohne Ergebnis. Wir haben also kein Endlager. und es ist auch keines in Sicht.
Angesichts der Tatsache, dass im Zwischenlager Asse die Decke herunterkommt, bricht die Lüge vom billigen Atomstrom zusammen. Die Kosten für die Bergung der Fässer werden von 2 bis 10 Milliarden Euro geschätzt.
Da sich die Energiewirtschaft bei der Kostenbeteiligung ziemlich zurückhält, werden die Kosten wohl irgendwann bei uns ankommen.
3. Kein Subventionsabbau.
Der Gedanke, die Steuerfreiheit Nacht- und Feiertagszuschläge abzuschaffen ist richtig und gleichzeitig ungerecht. Es stimmt, dass ein Angestellter von seinem Arbeitgeber für diese Leistungen bezahlt werden sollte. Dies funktioniert aber nicht, weil sich Unternehmen vielfach nicht an Tarifverträge halten müssen.
Die schlimmste Subvention ist das Aufstockergeld bei Beschäftigten mit geringen Verdienst. Dies ist in Wirklichkeit eine Verzerrung des Wettbewerbs, da ganze Branchen damit kalkulieren.
4. Die Politik hat aus den Krisen keine Konsequenzen gezogen.
Lohnen sich die Kürzungen? Wer kann uns garantieren, dass wir in den nächsten Monaten nicht wieder für Spekulationen oder riskante Geschäfte des Finanzsektors zahlen müssen? Kaum ein schwarzes Loch, in dem die Milliarden verschwanden, ist gestopft wurden.
Wird wieder auf merkwürdige Weise eine Branche so relevant, dass sie in den Genuss des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes kommt?
Einige Sachen, die die ganze Anstrengungen in Frage stellen.
5. Das Elterngeld wird gekürzt bzw. abgeschafft.
Die Änderung braucht ein Arbeitnehmer mit hohem Einkommen nicht zu fürchten. Es bleibt beim Maximalsatz von 1800 Euro, welcher ein Gutverdiener problemlos erreichen dürfte. Die Kürzung von 67% auf 65 % bleibt bei den mittleren Einkommen hängen.
Etwas fad schmeckt die Streichung bei den ALG II Empfängern. Berechtigt wird gelegentlich gezweifelt, ob das Geld in diesen Familien auch in jeden Fall den Kindern ankommt. Aber ich glaube, dass gerade diese Kinder untertützt werden sollten. Weil man so verhindert, dass ihr Weg denen ihrer Eltern ähnelt.
Statt dessen wir irgendwie das fatale Signal gegeben, dass sich Geld für diesen Zweck nicht lohnt, ganze Bevölkerungsgruppen abgeschrieben werden.
Alles in allem wird es wieder einigen Trubel um das ganze Sparpaket geben. Das geht heute schon los und wird sich der Tradition der letzten Monate folgend, in der Regierungskoalition fortsetzen.